Auch seitens der Finanz/RW-Abteilung gibt es gewisse Ansprüche an das neu zu implementierende ERP-System. Die Anforderungen lassen sich grob in 3 große Bereiche einteilen:
- Rechnungswesen – also die eigentliche Finanzbuchhaltung
- Kostenrechnung und Controlling
- Human Ressource
Zum Rechnungswesen:
Die Aufgaben der Buchhaltung wurden in einem früheren Artikel bereits erläutert. Um diese Pflichten effizient und rationell zu erfüllen, sind gewisse technische Erleichterungen von Vorteil. Das ERP-System sollte also folgende Anforderungen erfüllen:
- Debitoren- und Kreditorenverwaltung:
Um Datenredundanz zu verhindern, müssen sämtliche Daten, die in den einzelnen Abteilungen in das System eingegeben wurden, automatisch auch von der Buchhaltungsabteilung abgerufen werden können.
Wenn zB vom Verkauf eine Rechnung gestellt wurde, wird diese sofort an die RW-Abteilung weitergeleitet, welche die Rechnung weiter bearbeitet. Hierfür sind natürlich auch die Daten über den Kunden erforderlich. Derselbe Vorgang trifft auch für die Einkaufsabteilung zu.
Die Debitoren- und Kreditorenverwaltung kann also durch mehrere Abteilungen erfolgen, was den Zuständigen mehr Verantwortung überträgt. Außerdem muss so nicht bei jedem neuen Eintrag eines Lieferanten/Kunden die Rechnungswesenabteilung ins Spiel gebracht werden.
Natürlich muss die Sicherheit gegeben sein, dass jeder die richtigen und notwendigen Daten eingibt.
- Finanz- und Anlagenbuchhaltung:
Ziel einer Buchhaltung ist es, dass jederzeit ein Überblick über die Vermögenslage und den Schuldenstand eines Unternehmen gegeben ist. Um dies zu gewährleisten, muss die Buchung sämtlicher Geschäftsvorgänge über das System ablaufen. Man kann dann bei Bedarf in die Konten einsehen und den aktuellen Stand abrufen.
Auch die Anlagenbuchhaltung muss automatisiert erfolgen.
Zum Beispiel wird jeder Tagesabschluss der Finanzbuchhaltung übergeben, wo automatisch die Zu- und Abgänge auf den Konten erfasst werden. Dies ermöglicht eine ständige Übersicht über die derzeitigen Stücklisten. Für diesen Prozess sind Schnittstellen zur Produktion und zur Lagerhaltung vonnöten.
Des Weiteren werden Fehler bei Inventuren praktisch ausgeschlossen, da die Stücklisten digital und automatisch erfasst wurden.
- Zahlungsverkehr und Mahnwesen:
Wie oben bereits beschrieben wurde, erfolgt jede weitere Bearbeitung eines Ein- bzw. Verkaufs in der Rechnungswesenabteilung. Hier wäre eine Schnittstelle zu unseren Banken von Vorteil, welche es uns ermöglicht, unsere Kontostände und Geldbewegungen auf den Konten zu beobachten und steuern.
Ist eine Rechnung fällig, soll der jeweilige Sachbearbeiter automatisch eine Meldung bekommen, welche ihn darauf hinweist, die Rechnung jetzt zu bezahlen. Es wäre dann praktisch, diese Zahlung gleich über das ERP-System zu erledigen.
Auch bei überfälligen Forderungen soll den Sachbearbeiter eine Nachricht erreichen. Dann kann der Mitarbeiter automatisch über das ERP-System eine Mahnung für den Geschäftsfall ausdrucken und versenden bzw. gleich digital versenden.
Um das Verhalten eines Kunden zu beobachten wären Berichte von Vorteil, welche an den Verkauf/Vertrieb weitergeleitet werden, damit diese Abteilung möglicherweise über das weitere Vorgehen bezüglich dieser speziellen Kunden entscheiden kann.
-
Arbeitszeitenerfassung und Lohnverrechnung
Mittels einer Stempeluhr werden die Arbeitszeiten erfasst und automatisch an die Buchhaltung weitergeleitet. So können etwaige Überstunden genauestens bei der Lohnverrechnung berücksichtigt werden.
- Jahresabschluss
Auch für den Jahresabschluss soll es eine automatisierte Form der Bearbeitung geben. Wie bereits bei der Anlagenbuchhaltung erwähnt, soll so zum Beispiel die jährliche Inventur durch digitale Stücklisten erleichtert werden.
Zu Kostenrechnung und Controlling
Besonders für diesen Bereich ist eine automatisierte Bearbeitung von größter Wichtigkeit. Sämtliche Kalkulationen, Analysen, Abschlüsse, Erfolgsrechnungen etc sollen in digitaler Form erfolgen.
Zu den Aufgaben der Controlling-Abteilung gehören:
- Kostenartenrechnung
Kosten werden von den Aufwendungen getrennt und den Abrechnungsperioden in denen sie angefallen sind zugeteilt.
- Kostenstellenrechnung
Die Kosten werden auf die einzelnen Betriebsbereiche aufgeteilt um festzustellen, wo die Kosten angefallen sind.
- Kostenträgerrechnung
Die Kostenträgerrechnung steht am Ende der Kostenrechnung und soll die Herkunft der Kosten klären. Die zentrale Aufgabe besteht in der Ermittlung der Herstell- und Selbstkosten.
- Profit-Center-Rechnung
Durch die PC-Kalkulation können jene Unternehmensbereiche hervorgehoben werden, welche besonders gewinnbringend sind. Es können so die Ergebnisbeiträge der einzelnen Abteilungen beurteilt werden.
- Produktkostenrechnung
Das Produktkosten-Controlling ermittelt die Kosten, die anfallen, um ein Produkt herzustellen oder eine Leistung zu erbringen. So kann z.B. die untere Preisgrenze für eine profitable Vermarktung eines Produkts ermittelt werden.
- Ergebnis- und Marktsegementrechnung
Die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung analysiert den Erfolg des Unternehmens nach einzelnen Marktsegmenten. Den Erlösen werden pro Marktsegment die entsprechenden Kosten zugerechnet. Ziel der Marktsegmentrechnung ist die Analyse des Ergebnisses aus Sicht des Marktes.
- Prozesskostenrechnung
Die Prozesskostenrechnung analysiert abteilungsübergreifende Geschäftsprozesse. Die Ziele des gesamten Unternehmens und die Optimierung der betrieblichen Abläufe stehen hier im Vordergrund. Weiterhin werden die Kosten der Gemeinkostenbereiche transparenter gemacht.
Nachdem die Ergebnisse von unseren Controllern interpretiert und beurteilt wurden, werden die Ergebnisse an die zuständigen Abteilungen über das ERP-System weitergeleitet. Das jeweilige Departement kann dann eigenständig Entscheidungen über das weitere Vorgehen treffen.
Die Berichte die von der Controlling-Abteilung erstellt wurden, sollen außerdem an das Management weitergeleitet werden, damit diese über den aktuellen Stand der Dinge informiert sind und in die Ergebnisse in der Planung berücksichtigen können.
Das ERP-System dient also für die Führungskräfte in gewisser Form also EIS (Führungsinformationssystem).
